Bericht 2.-4. Quartal 2015

Rodgau, 21.12.2015

Rodgau bildet Zukunft:  Handlungsplan 2015 – 2016

Verlässliche, attraktive und bedarfsgerechte Tagesangebote für Kinder und Jugendliche in der Stadt Rodgau

 


Einleitung

 

„Rodgau bildet Zukunft“ ist seit 2007 ein Markenzeichen unserer Stadt. Diese kommunale und partizipative Bildungsstrategie wird mit Hilfe von Handlungsplänen, die auf Umsetzung orientiert sind, fortgeschrieben.
Der hiermit vorliegende Handlungsplan soll für die Jahre 2015 und 2016 gelten. Er unterscheidet sich von den bisherigen Handlungsplänen vor allem in einer wesentlichen Hinsicht: er sieht die Konzentration auf eine Schwerpunktaufgabe in der Rodgauer Bildungslandschaft vor, nämlich die Sicherstellung verlässlicher, attraktiver und bedarfsgerechter Tagesangebote für Kinder und Jugendliche.
Ein genauerer Blick zeigt schnell, dass es sich hierbei um eine komplexe Herausforderung für die kommunale Politik handelt, denn es geht um die Bildungsbiografie von Kindern und Heranwachsenden vom frühen Lebensalter bis zur Heranführung an den Übergang zur weiterführenden Schule oder Berufsausbildung, also bis in die höheren Klassen der Sekundarstufe 1.
Die Angebote müssen niedrigschwellig zugänglich sein, um den Risiken von Benachteiligung entgegen zu wirken. Die Aufgabe, verlässliche, attraktive und bedarfsgerechte Tagesangebote in Rodgau zu sichern, wird in den kommenden zwei Jahren nicht abgeschlossen sein, aber in zwei Jahren können weitere Grundlagen geschaffen werden, auf die weiter aufzubauen sein wird.
Es geht also um Prioritäten einerseits und um Machbares andererseits; Visionen sind gefordert, aber auch Augenmaß und Pragmatismus. Dem kommt zugute, dass die Stadt Rodgau bei der Sicherung eines guten Ganztagsangebots nicht bei Null startet, sondern schon Vieles auf den Weg gebracht wurde oder „in Arbeit“ ist.
Die im Teil 2 dieser Vorlage beschriebenen und geplanten Maßnahmen setzen bewusst und genau auf dem auf, was schon vorhanden oder im Aufbau ist. Nach zwei weiteren Jahren wäre dann der Zeitpunkt gekommen, Bilanz zu ziehen und den nächsten Handlungsplan in den Blick zu nehmen. Für zwei Jahre ist die Konzentration auf ein Thema, wenn es diese Komplexität hat, gerechtfertigt. Ab 2017 müssen die Prioritäten dann neu geklärt werden.
Der vorliegende Handlungsplan umfasst Aktivitäten und Maßnahmen, für die eine kommunale Zuständigkeit oder Verantwortung gesehen wird und praktisch werden kann. Grundlegend für „Rodgau bildet Zukunft“ war und ist aber die Idee der Lokalen Verantwortungsgemeinschaft, also des koordinierten Zusammenwirkens aller Akteure, die für gelingende Bildungsbiografien wichtig sind.
Auch an der Vorbereitung dieses Handlungsplans waren viele der lokalen Akteure beteiligt. Sie sind eingeladen, sich mit ihren Kapazitäten und Kompetenzen an der Umsetzung des Handlungsplans aktiv zu beteiligen. Ihr aktives Mitwirken ist für den Erfolg des Handlungsplans von großer Bedeutung, nimmt aber der Stadt ihre Verantwortlichkeit nicht ab. In diesem Sinne ist der vorliegende Handlungsplan zu verstehen.
Die folgende Darstellung gliedert sich in zwei große Abschnitte:
Teil 1 fasst die Grundsätze von „Rodgau bildet Zukunft“ noch einmal zusammen und erläutert, wie aus der Arbeit des Bildungsforums dieser Handlungsplan entstanden ist.
Teil 2 beschreibt die Maßnahmen, die für die Jahre 2015 und 2016 vorgesehen sind; dies folgt den verschiedenen Abschnitten der Bildungsbiografie und markiert jeweils, auf welche bereits vorhandenen oder in Entwicklung befindlichen Angebote diese Maßnahmen – erweiternd und vertiefend –  aufbauen. Schließlich wird noch skizziert, welchen Beitrag allgemeinere Dienste der Stadt, nämlich die Kommunale Jugendarbeit, die Stadtbücherei und die VHS, zur Umsetzung des Handlungsplans leisten werden.

Teil 1:  Grundsätze und Bericht aus dem Bildungsforum

 

„Rodgau bildet Zukunft“: Grundsätze

Für die Stadt Rodgau ist Bildung einer der entscheidenden Standortfaktoren. Bildung ist zugleich Lebensqualität für die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt.
Schon 2007 wurden mit dem 1. Bildungsforum in diesem Feld neue Wege zu einer bürgernahen Ausgestaltung von Bildung beschritten. Denn im Bildungsforum versammelten sich alle diejenigen, deren Einrichtungen und Organisationen im Feld der Bildung aktiv sind und deren Sachverstand gefordert war, um den Bildungsbedarf verschiedener Gruppen unserer Bürgerschaft zum Ausdruck bringen zu können.
Das war sehr produktiv und hatte den ersten Bildungsplan zum Ergebnis, der entlang der Bildungsbiografien eine Vielzahl von Handlungsfeldern aufgriff und damit zugleich eine Art Vision davon erkennen ließ, was der damals entstandene Slogan „Rodgau bildet Zukunft“ bedeuten sollte.
Der damalige konzeptionelle Impuls bildete für die folgenden Jahre den „roten Faden“ für das Engagement der Stadt Rodgau im Feld der Bildung, das weit über das für kreisangehörige Städte übliche Maß hinausging und zu einer Art Markenzeichen wurde.
Bildungsberichte, Bildungskonferenzen und die stark besuchte Bildungsmesse belegen dies. Verwaltungsintern wurde mit der Zusammenführung von Zuständigkeiten und Aktivitäten im Kommunalen Bildungsmanagement eine Kommunale Koordinierung für Bildung aufgebaut, die den Überlegungen der Arbeitsgemeinschaft Weinheimer Initiative folgt, bei der – neben dem Kreis selbst – Rodgau als einzige Stadt im Kreis Offenbach Mitglied ist (www.kommunale-koordinierung.de )
Auch dies war einer der Gründe, warum das Jahresforum 2014 der Arbeitsgemeinschaft zu einem wichtigen Teil hier in Rodgau stattfand. Rodgau steht mittlerweile weit über die Region hinaus als Beispiel einer bildungsaktiven Mittelstadt, die - obwohl kreisangehörig – Bildung „vor Ort“ mit eigenem Profil gestaltet – zum Nutzen ihrer Bürgerinnen und Bürger und insbesondere zum Nutzen der nachwachsenden Generationen.
Bürgerinnen und Bürger sehen Bildung immer stärker als etwas, das zur Qualität des Ortes gehören muss, wo man lebt und wo man sich „zu Hause“ fühlen möchte. Für eine Stadt wie Rodgau ist dies als Identität besonders wichtig. Deswegen soll auch weiterhin gültig und erfahrbar bleiben: Rodgau bildet Zukunft.


Ausgangslage 2014/2015 und Bildungsforum

Vor diesem Hintergrund sollten 2014 die bisherigen Handlungspläne nicht einfach fortgeschrieben, sondern unter Bewertung von Stand und zukünftigen Erfordernissen neu akzentuiert werden. Hierbei mussten auch der seit 2013 gültige Rechtsanspruch auf Tagesstättenplätze für Kinder unter 3 Jahren und die Grundlinien des Hessischen Bildungs- und Erziehungsplanes für Kinder von 0 bis 10 Jahren mit bedacht werden, sowie auch die Aktivitäten, die unter der Überschrift „Pakt für den Nachmittag“ laufen.
Weitere Vorgaben setzt das Hess.-Kifög. Zu berücksichtigen sind ebenfalls die eigenen Qualitäts-Standards der Stadt Rodgau für den Bereich der Kindertagesbetreuung (QS 1 Pädagogische Konzeption/ QS 2 Bildung/ QS 3 Kooperation mit Eltern/ QS 4 Interne und externe Kommunikation/ QS 5 Personalmanagement).
 
Ganztägliche Bildungsangebote insgesamt rückten ins Zentrum der Überlegungen, vor allem auch, weil ihre Bedeutung für die Sicherung gleichwertiger Bildungschancen für alle und ihr Beitrag zur positiven Bewältigung der immer komplexer werdenden Alltagsanforderungen für Familien mit Kindern gesehen wurden. Schnell wurde deutlich: für eine lange Strecke der Bildungsbiografien von Kindern und Jugendlichen stellt der Ganztag eine erhebliche Erweiterung von Bildungsmöglichkeiten dar, wenn er verlässlich und attraktiv ist.
Tagesangebote können also ein wirksamer „Hebel“ sein, die Bildungsqualität „vor Ort“ weiter zu erhöhen, und zwar für eine große Zahl von Kindern und Jugendlichen. Es wuchs die Überzeugung, für den nächsten Handlungsplan von der bisherigen Praxis einer Vielfalt von Handlungsfeldern abzurücken, und sich auf das Feld „Tagesangebote“ zu konzentrieren.  
Mit diesem Vorschlag einer zeitweiligen Konzentration auf „Tagesangebote“ wurde 2014 erneut ein Bildungsforum einberufen, das im Herbst zweimal zu intensiven Arbeitssitzungen zusammen kam. Der Vorschlag einer Konzentration auf „Tagesangebote“ fand im Kreise dieser Expertinnen und Experten breite Zustimmung und löste Fantasie und Kreativität in Hinblick auf eine verlässliche, vor allem aber eine attraktive und auch qualitativ hochwertige Gestaltung der Tagesangebote aus.

Ideen aus dem Bildungsforum

Die 2. Sitzung des Bildungsforums am 27. November 2014 war ganz der Entwicklung von Vorschlägen zur Gestaltung von Tagesangeboten gewidmet. Eine Gruppe beschäftigte sich mit Tagesangeboten für Kinder bis 10 Jahren, eine zweite mit den weiterführenden Schulen und übergreifenden Angeboten.
Altersgruppe bis 10 Jahre
Bei den Expertinnen und Experten, die über Tagesangebote für die Altersgruppe bis 10 Jahre sprachen, standen folgende Ziele im Zentrum, die durch eine geeignete Nutzung des Ganztags stärker gefördert werden könnten:
•    stärkere Teilhabe von Kindern aus Familien mit Migrationshintergrund,
•    Teilhabe von Flüchtlingskindern
•    Förderung von Sprachkompetenz
•    Wertevermittlung (Menschlichkeit, Verantwortungsbewusstsein, Selbstständig-keit, Respekt im Umgang miteinander,…)
Bei der Diskussion, wie diese Ziele besser zu erreichen seien, standen zunächst vor allem verbesserte Kooperationsbeziehungen im Vordergrund, wie z.B. die Zusammenarbeit mit Migrantenorganisationen und Vereinen (z.B. Turnverein), die Kooperation Kindergarten – Grundschule, mit den Tagespflegepersonen, die verstärkte Einbeziehung von Bücherei und Musikschule usw. Eine Reihe dieser erforderlichen Kooperationen seien schon in Gang gesetzt worden; nun bedürfe es der Stetigkeit.
Eine qualitativ hochwertige Weiterbildung wird als Schlüssel für pädagogische Innovationen angesehen, die zu einer höheren Attraktivität für die Kinder und Jugendlichen führen sollen. Als eine zentrale Anforderung in Hinblick auf Verlässlichkeit wurde formuliert: ein durchgängiger Betreuungsplatz für jede und jeden.
Gerade für diese – jüngeren – Altersgruppen und die jeweilig anstehenden Bildungsübergänge wird eine systematische Elternarbeit für unerlässlich gehalten.

Weiterführende Schule und übergreifende Angebote
In dieser Gruppe dominierte das Thema Berufsorientierung. Gerade im Ganztag werden Chancen gesehen, Berufsorientierung zu verstärken und sie praxisnäher und stärker an den Interessen und Bedürfnissen der Jugendlichen orientiert zu gestalten. Im Einzelnen wurden folgende Ziele herausgehoben:
•    frühzeitige und altersgerechte Berufsorientierung
•    Eröffnung von Praxiserfahrungen und dem Erleben der Arbeitswelt
•    bessere Entwicklung sozialer Kompetenzen
•    Förderung von Sprachkompetenz, vor allem für Flüchtlinge
Auch in dieser Gruppe wird auf eine Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Schulen und außerschulischen Partnern großer Wert gelegt; dies ist zugleich mit konkreten Angeboten, z.B. aus der Handwerkerschaft, verbunden. Die pädagogischen Herausforderungen, die der Ganztag und insbesondere auch die formulierten Ziele darstellen, werden gesehen, aber konnten nicht weiter vertieft werden. Die Gruppe schlug vor, dass die zu erweiternden Kooperationsbeziehungen aktiv von Seiten der Stadt Rodgau begleitet bzw. koordiniert werden.

Hohe Bereitschaft zu aktiver und verlässlicher Zusammenarbeit

Insgesamt erklären die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Bildungsforums ihre große Bereitschaft, sich an der Umsetzung eines Bildungsplans mit dem Schwerpunkt „Tagesangebote“ aktiv und verlässlich zu beteiligen. Es ist von daher zu erwarten, dass die Stadt tragfähige Kooperationsvereinbarungen anregen und begleiten kann.

Schlussfolgerungen

Die Vorschläge und Überlegungen, die im Bildungsforum entwickelt wurden, sind vor allem inhaltlicher und pädagogischer Art. Sie nehmen also vor allem pädagogische Aspekte von Bedarfsgerechtigkeit wie auch von Attraktivität auf. Attraktivität muss – so war die Auffassung – vor allem auch aus der Perspektive der Jugendlichen selbst gesehen und entfaltet werden.
Diese  Überlegungen und Vorschläge, wie sie im Rahmen des Bildungsforums gemacht wurden, setzen aber zugleich verlässliche Tagesangebote im Sinne einer ressourcenbezogenen Sicherung ihrer Durchführung und Bedarfsgerechtigkeit im Sinne der vorhandenen Erfordernisse und Bedürfnisse und einer gleichberechtigen Zugänglichkeit voraus. Ein hoher qualitativer Standard dieser Angebote ist dabei eine unabdingbare Voraussetzung. Dies sind ganz grundlegende Heraus-forderungen, denen sich die Stadt Rodgau stellen muss und stellen wird.
Der vorliegende Handlungsplan, der zunächst für die Jahre 2015 und 2016 aufgestellt wird, behandelt deshalb in einem ersten Schritt jene wichtigen Erfordernisse, die mit der Verlässlichkeit und Bedarfsgerechtigkeit der Angebote zusammenhängen. Dies bedeutet aber nicht, dass die inhaltlichen und pädagogischen Herausforderungen vergessen werden. Diesen Herausforderungen muss sich die Stadt Rodgau in einem zweiten Schritt annehmen.
Die Stadt Rodgau hat hierbei folgende generelle Zielmarken im Bereich der Ganztagsbetreuung:
o    bedarfsgerechter Ausbau der Kitaplätze U3 zu einer Gesamtabdeckung von 40%
o    Ausbau der Tagesstättenangebote bei Ü3 bis zu 80% der städtischen Betreuungsplätze und Gleichziehen der konfessionellen und freien Einrichtungen
o    schrittweiser flächendeckender Ausbau des „Nachmittags“ für die Klassen 1 bis 10 im Sinne der aktiven Begleitung der Sicherung des „Nachmittags“
Dies ist die institutionelle Basis, auf der die Vorschläge des Bildungsforums Platz greifen können, im Sinne
o    des Mehrwerts von Zusammenarbeit zwischen Schulen und außerschulischen Einrichtungen, Institutionen und Personen, sowie
o    eines pädagogischen „Aufbruchs“, der die Tagesangebote für die Kinder und Jugendlichen attraktiv, lebbar und nutzbar macht und
o    der Einhaltung eines hohen qualitativen Standards bei allen bestehenden und zukünftigen Angeboten

Flankierend zu den Maßnahmen, die im Handlungsplan aufgeführt sind und im Sinne eines erneuten pädagogischen „Aufbruchs“ wird die Stadt Rodgau initiativ und unterstützend tätig werden durch
•    die Anregung und Unterstützung  von Vereinbarungen zur trägerüber-greifenden Zusammenarbeit
•    die Anregung und Begleitung von Plänen und Programmen zur Sprachbildung und die Mitarbeit in einschlägigen Netzwerken zur Migranten- und Flüchtlingsarbeit
•    die Anregung und Mitarbeit in einer Projektgruppe zur „Pädagogischen Gestaltung des Ganztags“, auch in Kontakt mit den Weiterbildungseinrichtungen für pädagogische Fachkräfte und in enger Zusammenarbeit mit der Volkshochschule
•    Zeitgemäße Weiterentwicklung des Konzepts zur Offenen Jugend-arbeit, stetige Verbesserung der Büchereiarbeit und die Entwicklung der Bücherei zur aktiven Kooperationspartnerin im Ganztag
•    technische, organisatorische und mediale Unterstützung, soweit dies für die Stadt möglich ist, insbesondere auch durch Aktivierung der Homepage „Rodgau bildet Zukunft“ (www.rodgaubildetzukunft.de)
und vor allem auch
•    durch die Fortführung und Intensivierung der aktiven „Kommunalen Koordinierung“ von Bildung


Teil 2: Geplante Maßnahmen

Die für die Jahre 2015 und 2016 geplanten Maßnahmen sollen dazu beitragen, den „Ganztag“ in Rodgau verlässlich, attraktiv und bedarfsgerecht zu machen. Da die Stadt Rodgau in dieser Hinsicht keineswegs bei „Null“ anfängt, müsste es genauer heißen: den Ganztag noch verlässlicher, noch attraktiver und noch bedarfsgerechter zu machen. Die folgenden Skizzen der geplanten Maßnahmen zeigen, auf welcher bereits vorhandenen Grundlage sie aufbauen können.
Aber: Was ist mit den drei Kriterien „verlässlich, attraktiv und bedarfsgerecht“ gemeint?
Verlässlichkeit bezieht sich vor allem auf sichere Versorgung. Angebote müssen hinsichtlich der ausgewiesenen zeitlichen Lage, der versprochenen Leistungen, ihrer Kontinuität, der Sicherung vor Ausfällen und des eigenen finanziellen Beitrags verlässlich und verbindlich kalkulierbar sein.
Bedarfsgerecht sind zum einen Angebote, die quantitativ „passen“, also die Stadt nicht unterversorgen, aber auch nicht überausstatten. Bedarfsgerecht meint aber zum zweiten auch, dass die verschiedenen Bevölkerungsgruppen, also auch jene, die bei der Nutzung von Bildungsangeboten ungeübt sind und es schwerer haben, ihre Interessen zu artikulieren, möglichst frei von sozialen Barrieren Zugang haben. Ein dritter Aspekt von Bedarfsgerechtigkeit bezieht sich auf die zeitliche Lage und die räumliche Verteilung der Angebote im Stadtgebiet. Und schließlich umfasst Bedarfsgerechtigkeit auch Fragen der Qualität und der Pädagogik, also alles, was über die reine Versorgung mit einem Platz hinausgeht.
Dies hat einen engeren Bezug zum dritten Kriterium, nämlich Attraktivität. Attraktiv für Eltern kann ein Angebot schon dann sein, wenn es verlässlich und bedarfsgerecht im Sinne einer Unterbringung der Kinder funktioniert. Für die meisten Eltern ist dies aber nicht ausreichend: Attraktivität hat eine starke qualitative Komponente, handelt also von dem, was in der Aufenthaltszeit geschieht. Die Qualität einer kinder- und jugendgerechten Bildung ist hierbei ein besonders wichtiger Aspekt. Attraktivität misst sich aber vor allem auch daran, ob die Kinder und Jugendlichen sich wohlfühlen und ob der Ganztag für sie spannend und ertragreich ist.  
In diesem Sinne ist die folgende Skizze der geplanten Maßnahmen zu verstehen.

Für die vorschulische Phase und in Übergang in die Schule

Tagespflege

Stand

Die Kindertagespflege ist in Rodgau fester Bestandteil der städtischen Betreuungslandschaft. Aktuell betreuen 20 qualifizierte Tagesmütter insgesamt in der Regel ca. 90 Kinder ab sechs Monaten bis zum Eintritt in die Kindertagesstätte. Diese Betreuung erfolgt im häuslichen Umfeld der Tagesmütter in familienähnlicher Atmosphäre.
In kleinen Gruppen (maximal fünf Kinder) werden die Kinder durch eine verlässliche und konstante Bezugsperson individuell betreut. Die Tagesmütter werden durch eine städtische Fachstelle begleitet; hierzu zählt auch ständiger Informations- und Erfahrungsaustausch sowie Weiterbildung.  

Herausforderungen

Die Betreuungszeiten werden flexibel und bedarfsgerecht zwischen Eltern und Tagespflegeperson vereinbart; dabei variieren die Zeitmodelle von einzelnen Stundenkontingenten bis hin zur Vollzeitbetreuung. Die Eltern sind darauf angewiesen, dass die Betreuung verlässlich in ihren eigenen Tagesablauf eingebettet ist. Wenn sich die Tagesmutter aber im Urlaub befindet oder erkrankt, bleibt die Tagespflegestelle geschlossen. Viele Eltern können dies nur schwer auffangen, weil sie keine alternativen Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder haben.


Geplante Maßnahmen

Ein Vertretungsmodell würde die kontinuierliche Verlässlichkeit der Tagespflege erhöhen und damit zugleich ihre Attraktivität steigern. Geplant sind deshalb der Aufbau und die feste Etablierung eines trägfähigen Vertretungskonzepts.

Verbund Familienzentrum

Stand

Das Familienzentrum der Stadt Rodgau ist ein schon jetzt verlässlicher Ort der Begegnung, Betreuung, Bildung und Beratung für die gesamte Familie und stellt ein präventives, unterstützendes und förderndes Angebot dar.
Als Träger hat sich die Stadt Rodgau für ein Verbundmodell entschieden, das aus  drei städtischen Kindertageseinrichtungen besteht: Robert-Koch-Straße1,  Rodgau/                                                              Hainhausen („7“)    Alter Weg 60, Rodgau / Jügesheim („10“), und Alter Weg 63 F, Rodgau / Jügesheim („11“). Mit dem Neubau dieser Kindertageseinrichtung („11“) steht ab Frühjahr/Sommer 2015 ein großzügiges Raumangebot, insbesondere hinsichtlich der Angebote zur Familienbildung zur Verfügung.
Der Verbund ermöglicht enge Zusammenarbeit untereinander sowie zu stadtinternen und externen Kooperationspartnern.
Das pädagogische Fachpersonal der drei Einrichtungen kann durch seine Nähe zu Eltern und Kindern Potenziale und Problemlagen von Familien frühzeitig erkennen und so zur Schaffung von bedarfsgerechten Angeboten beitragen.        

Herausforderungen

Die Unterstützung von Eltern bei ihren Erziehungsaufgaben erhält eine immer größere Bedeutung. Schon jetzt werden kontinuierlich Kurse und Beratungen zu Erziehungskompetenzen angeboten (Elterncafés, Fachvorträge und Themenabende) und es wird eine umfangreiche Auswahl an Fachliteratur und familienrelevanter Broschüren bereitgestellt.
Damit der Verbund Familienzentrum noch mehr als bisher ein wichtiger Partner für die Familien wird, muss sichergestellt sein, dass das Familienzentrum niederschwellig auch für jene Familien zugänglich ist und genutzt werden kann, die zwar Bedarf haben, aber  dennoch aus verschiedenen Gründen das Familienzentrum nicht  nutzen. Es geht also darum, Familien miteinander zu vernetzen, Schwellenängste vor Institutionen abzubauen, Neugierde zu wecken, Wissenslücken zu schließen und zur Entlastung in Notlagen beizutragen.

Geplante Maßnahmen

Durch verschiedene Methoden zur Ermittlung von Bedarfen sollen kinder- und familienfreundliche Angebote für Familien aus ganz Rodgau weiterentwickelt werden. Insbesondere geht es um eine Willkommenskultur für Familien mit Neugeborenen und zugezogenen Familien mit Kindern. Dadurch wird eine möglichst frühzeitige Anbindung an das Familienzentrum angestrebt. Stichworte sind hier „Angebotsvielfalt“ und „lebenslagenspezifische Unterstützungen“, insbesondere auch in Hinblick auf veränderte familiäre Strukturen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf (z.B. familien- und generationsübergreifende Aktionen, Angebote für alleinerziehende Elternteile, Entwicklung von Modellen zur Kinderbetreuung in Randzeiten). Dies macht verbindliche Vereinbarungen mit externen Kooperations-partnern erforderlich. Jährliche verlässliche Planungen und rechtzeitige Veröffentlichung von bedarfsgerechten Angeboten für Familien sollen Transparenz und Nutzerfreundlichkeit fördern.

Krippen U3

Stand

Der Ausbau von Krippenplätzen ist weit vorangekommen. Im Zeitraum des „Kommunalen Handlungsplans 2011 – 2013“ konnten in Weiskirchen und Hainhausen jeweils eine, in Dudenhofen sogar drei Kleinkindgruppen den Betrieb aufnehmen.
Als weitere Einrichtungen haben im Mai 2015 das Familienzentrum und die Kita „11“ mit drei Krippengruppen in Jügesheim ihre Tätigkeit aufgenommen. Derzeit stehen für die Kleinkindbetreuung 357 Plätze, inklusive der Plätze in der Kindertagespflege, zur Verfügung.

Herausforderungen

Dies ist jedoch mittelfristig nicht ausreichend, da durch die Erschließung weiterer neuer Baugebiete zusätzlicher Bedarf entstehen wird. Ein hoher Bedarf an Betreuung in dieser Altersgruppe besteht insbesondere – wie der „Bedarfsplan 2015/16, Kindertageseinrichtungen der Stadt Rodgau zeigt - im Stadtteil Nieder-Roden. Die derzeitige Nachfrage lässt ebenfalls erkennen, dass Krippenplätze auch im Stadtteil Jügesheim fehlen.

Geplante Maßnahmen

In Jügesheim bietet sich an, den erweiterten Bedarf durch zusätzliche Plätze in der Kita 10 zu decken. Hierzu soll ein Teil der freiwerdenden Kapazitäten, die durch die Auslagerung des Hortes an die Wilhelm-Busch-Schule entstehen, genutzt werden. Im Stadtteil Nieder-Roden soll durch den Neubau einer dreigruppigen Kleinkind-Betreuungseinrichtung und der Erweiterung der Kita 5 um eine Kleinkindgruppe ein bedarfsgerechtes Angebot bereitgestellt werden. Das übergreifende Ziel ist der bedarfsgerechte Ausbau von U3 - Plätzen in Rodgau; hierzu müssen Bedarfspläne fortgeschrieben und bei allen Planungen berücksichtigt werden.

Kindertagesstätten Ü3

Stand

In den zwölf städtischen Kindertageseinrichtungen werden derzeit 871 Kinder betreut. 76% der Kinder haben bereits einen Ganztagesplatz

Herausforderungen

Der Bedarf an Ganztagsplätzen in den Kindertageseinrichtungen (mit Mittagessen) ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen und wird weiter steigen; dies dokumentieren Anfragen von Eltern und vorhandene Wartelisten. Denn: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird immer wichtiger. Eine verlässliche Betreuung, Versorgung und zunehmend auch frühe Bildung über den Mittag hinaus wird für viele Eltern und Alleinerziehende zur Voraussetzung für Berufstätigkeit. Der Bedarf an Ganztagsplätzen steigt, wenn Eltern nach einer Familienphase in den Beruf zurückkehren, aber auch, wenn „Krippenkinder“ (mit ihrem dritten Geburtstag) von der Krippe oder der Kindertagespflege in die Kindertagesstätte wechseln.
Beim Zugang zu Kindertageseinrichtungen muss zudem Benachteiligung vermieden werden, dies gilt sowohl für soziale Gruppen als auch für Wohnorte. Das Angebot an Ganztagesplätzen variiert - wie es der aktuelle Bedarfsplan deutlich ausweist - in den einzelnen Rodgauer Einrichtungen deutlich. Insbesondere ist eine sehr deutliche Diskrepanz in der Quote an Ganztagesplätzen zwischen den städtischen und einzelnen konfessionellen Einrichtungen zu erkennen.

Geplante Maßnahmen

Geplant ist ein schrittweiser weiterer Ausbau des städtischen Angebotes unter Berücksichtigung der bisherigen „Engpässe“. Mit den konfessionellen Trägern sind Vereinbarungen zu deren Anpassung an die notwendigen Ausbauziele unverzichtbar. Ziel ist es, in absehbarer Zeit zu erreichen, dass alle Eltern, die für ihr Kind einen Tagesstättenplatz mit Mittagsversorgung benötigten, diesen auch erhalten, und zwar unter zumutbaren Umständen.
Grundschule und Sekundarschule

Schulkindbetreuung: Spiel und Bildung am Nachmittag

Stand

Eltern von Schulkindern erwarten ein genauso gutes Angebot an Tagesbetreuungsplätzen für ihre Kinder, wie es Eltern im Kita-Bereich erwarten. In den Stadtteilen Dudenhofen, Weiskirchen und Hainhausen gibt es derzeit ein bedarfsgerechtes Angebot für Grundschulkinder.

Herausforderungen

Der Bedarf an Betreuungsplätzen steigt auch im Grundschulalter kontinuierlich an.
Aktuelle Engpässe sind:
An der Wilhelm-Busch-Schule in Jügesheim werden zurzeit ca. 70 Kinder betreut. Mehr Betreuungsplätze können aufgrund beschränkter Kapazitäten nicht zur Verfügung gestellt werden. Der Bedarf liegt jedoch bei ca. 135 Plätzen (einschließlich der Kinder, die noch im städtischen Hort in der Kita 10 betreut werden). Die Nachfrage an Betreuungsplätzen in Jügesheim wird sich erfahrungsgemäß durch die zahlreichen jungen Familien in den neuen Baugebieten noch weiter erhöhen.
An der Schule am Bürgerhaus im Stadtteil Nieder-Roden wurde mit Beginn des Schuljahres 2010/11 die Anzahl der Betreuungsplätze von 40 auf 46 aufgestockt. Während des Schuljahres 2014/15 konnte 11 Kindern keine Platzzusage erteilt werden. Im Schuljahr 2015/16 wird sich die Situation weiter verschärfen. Bedingt durch starke Jahrgänge werden mehr Grundschüler aufgenommen. Das hat zur Folge, dass zusätzliche erste Klassen eingerichtet werden müssen. Dies wiederum hat Auswirkungen auf das Raumkonzept der Schule. Der Förderverein muss Klassenräume, die bisher für die Betreuung genutzt wurden, an die Schule zurückgeben.
An der Gartenstadtschule werden derzeit 104 Kinder betreut, 16 Kinder stehen auf der Warteliste. Aus den bereits vorliegenden Anmeldungen für das Schuljahr 2015/16 ist ersichtlich, dass der Bedarf auf über 140 Plätze anwachsen wird.
Aber bei der Schulkindbetreuung geht es nicht nur um Plätze, sondern auch um die pädagogische Arbeit im Ganztag.  
Notwendig ist deshalb nicht nur eine Rollenklärung aller an der Schülerbetreuung beteiligten Organisationen (Schule, Eltern, Förderverein, Kreis, Land, Stadt), sondern auch die Klärung finanzieller Aspekte sowie ein Einvernehmen über die Grundlinien eines gemeinsamen pädagogischen Konzepts.

Geplante Maßnahmen

Im Hinblick auf das Platzangebot sind zeitnah folgende Maßnahmen geplant: Die Kapazität an Betreuungsplätzen an der Wilhelm-Busch-Schule soll auf 150 erhöht werden. Damit kann die Schülerbetreuung im Einzugsgebiet der W-B-S an einem Ort zusammengefasst werden. Um dieses Ziel umzusetzen, bedarf es einer räumlichen Erweiterung an der WBS. Verbunden ist damit die Schließung des städtischen Hortes in der Kita 10. Die notwendigen Beschlüsse hierfür sind bereits gefasst; die benötigten Haushaltsmittel sind ebenfalls vorhanden. Die Inbetriebnahme erfolgt zum Schuljahresbeginn 2016/2017.
Betreuungsplätze (Mensa und Betreuungsräume) sollen in Nieder-Roden an der Schule am Bürgerhaus zügig bedarfsgerecht ausgebaut werden. Geprüft werden muss, ob ein ähnlicher Ausbau, wie er derzeit an der WBS in Jügesheim umgesetzt wird, auch in Nieder-Roden zielführend und möglich ist. Schließlich soll eine Erhöhung der Betreuungsplätze an der Gartenstadtschule in Nieder-Roden durch Umstrukturierungen ermöglicht werden. Angestrebt wird eine Platzzahl von 150 Plätzen.
In Hinblick auf die pädagogische Arbeit im Ganztag ergreift die Stadt die Initiative zu einer gemeinsamen „Pädagogischen Werkstatt Ganztag“.

Sekundarschule: Bildungsbereich „Nachmittag“

Stand

Die Stadt Rodgau fördert seit vielen Jahren den Nachmittag an den Rodgauer Schulen. Außerdem sind an allen drei weiterführenden Schulen und an einer Grundschule Schulsozialarbeiter der Stadt Rodgau eingesetzt. Hierfür werden durch die Stadt Rodgau vier Personalstellen mit finanzieller Unterstützung durch den Kreis Offenbach zur Verfügung gestellt. Diese Unterstützung ist aus Sicht der Schulen und der Stadt Rodgau bei den immer weiter steigenden Anforderungen und Erwartungen an die Lehrerinnen und Lehrer ein unerlässliches Instrument zum Ausgleich von Defiziten im Bereich der Konfliktlösefähigkeit und Sozialkompetenzen von Schülerinnen und Schülern. Die Schulsozialarbeit hilft, den Bereich der schulischen Erziehung abzudecken, der über die reine Wissensvermittlung hinausgeht.
Die an den Schulen vorhandenen zahlreichen Arbeitsgemeinschaften (AGs) sind ein planbares und verlässliches Angebot der Schulen. Sie sind nach Anmeldung verpflichtend und unterliegen somit der Aufsichtspflicht der Schule.
Die durch den Kreis Offenbach installierte Stelle „Jugend stärken in Schule und Beruf“ stellt eine wirkungsvolle Unterstützung der Schülerinnen und Schüler bei der Erreichung des Schulabschlusses und der Berufsfindung dar.

Herausforderungen

Die Entwicklung der Kinder zu Heranwachsenden und Jugendlichen geschieht in der Sekundarschulzeit. Dies bedeutet, dass auch deren Selbstständigkeit und Selbstverantwortung wachsen müssen. Auch dies muss gelernt und erprobt werden. Der „Nachmittag“ ist ein pädagogischer Raum, der diese Entwicklung unterstützen und fördern kann. Von daher müssen verbindliche und dichte Angebote am Nachmittag allmählich in wahlweise und freie Aktivitäten übergehen können.
Der „Nachmittag“ in der Sekundarschule–Phase ist also pädagogisch besonders herausfordernd. Hier muss konzeptionell noch wichtige Entwicklungsarbeit geleistet werden, und zwar gemeinsam zwischen Schulen und außerschulischen Partnern. Gerade der „Nachmittag“ bietet die Chance, außerhalb der strikten schulischen Lernordnung Erfahrungen zu machen und neue Impulse zu erhalten.
„Schulmüdigkeit“ und „Schulverweigerung“ gehören deshalb ebenso zu den pädagogischen Themen des „Nachmittags“ wie die Frage, wie es nach dem Ende der Sekundarschule weitergehen soll. Berufs- und Arbeitswelterkundung sollte - so das Rodgauer Bildungsforum bei der Vorbereitung dieses Handlungsplans - ein wichtiges Thema des „Nachmittags“ in der Sekundarschule sein. Außerschulische Partner sind für seine attraktive Gestaltung besonders wichtig.  

Geplante Maßnahmen

In einer Projektgruppe „Nachmittag der Sekundarschule“ soll gemeinsam – in städtischer Koordinierung – daran gearbeitet werden, den „Nachmittag“ als (relativ) eigenständigen Bildungsraum zu erschließen und pädagogisch zu gestalten. Als ein Schwerpunkt geht es um neue und stärker betrieblich-praktisch ausgerichtete Formen von Berufsorientierung. Hierzu sollen die Kooperationen im Bereich der Berufsorientierung mit dem Fokus der Verbesserung des Übergangs „Schule und Beruf“ ausgebaut werden, vor allem mit Betrieben, Berufsschulen und Berufsverbänden. Das Projekt „Jugend stärken in Schule und Beruf“ wird fortgesetzt und erhält im „Nachmittag“ einen Handlungsschwerpunkt.

 

Weitere Begleitende Angebote

 

Offene Jugendarbeit/Kommunale Jugendarbeit

Stand

Die Offene Jugendarbeit ist heute ein unentbehrlicher Bestandteil der sozialen Infrastruktur der Stadt Rodgau und erfüllt gemeinsam mit anderen Zweigen der Kinder- und Jugendarbeit den Auftrag des §11 SGB VIII. Die Angebote reichen bis in den im §13 SGB VIII als Jugendsozialarbeit definierten Bereich und richten sich grundsätzlich an alle Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis zum Alter von 27 Jahren. Offene Jugendarbeit handelt im Auftrag der Jugendlichen. Ihre zentrale Methode ist das Angebot eines offenen, gestaltbaren Raumes, in dem Kinder und Jugendliche ihre Ideen selbstbestimmt umsetzen, ihre Fähigkeiten erkennen und erproben und sich selber als wirksam erfahren können. Der Offene Ansatz knüpft somit an den aktuellen Bedarfen der Kinder und Jugendlichen an

Die regelmäßigen Öffnungszeiten aller Einrichtungen sind in der Regel wochentäglich von 14 – 20 Uhr. Hinzu kommen zwei Mal pro Monat freitägliche Mitternachtssportveranstaltungen sowie Konzerte und Projekte an den Wochen-enden. An insgesamt 10 der 14 Ferienwochen werden zudem Ferien-betreuungswochen für Kinder von 6-12 Jahren oder Ferientagesaktionen für Kinder und Jugendliche von 12-17 Jahren im Rahmen des Rodgauer Ferienprogramms angeboten.

Herausforderungen

Die drei offenen Jugendeinrichtungen der Stadt Rodgau (Jugendhaus Dudenhofen, Jugendtreff Comin` & Jugendtreff Weiskirchen) befinden sich in einem Umstrukturierungsprozess. Dies wird nicht nur durch personelle Veränderungen und die Einrichtung einer Leitungsstelle deutlich. Auch die Übernahme des Ferienprogramms in eigene Regie, Angebote mit musischer und ästhetischer Ausrichtung und die Durchführung von außerschulischer Jugendbildung mit allgemeiner, politischer, sozialer, gesundheitlicher, kultureller, naturkundlicher und technischer Bildung sowie Kooperationen mit weiterführende Schulen oder mit örtlichen Vereinen veranschaulichen dies.
Im Kontext dieses Handlungsplans besteht die Herausforderung darin zu klären und zu erproben, welche Rolle die Offene Jugendarbeit im Ganztag übernehmen kann.  

Geplante Maßnahmen

Im Rahmen des Handlungsplans 2015 – 2016 wird vor allem die Zusammenarbeit mit den Einrichtungen und Vereinen, die am Ganztag beteiligt sind, ausgebaut. Dabei geht es u.a. um die Durchführung von Jugendbildungsmaßnahmen mit allgemeiner, politischer, sozialer, gesundheitlicher, kultureller, naturkundlicher und technischer Bildung.
Dies ist eingebettet in ein Paket von Aktivitäten, die der laufenden Verbesserung der Offenen Jugendarbeit dienen sollen: eine regelmäßige Überprüfung der temporären Bedarfe von Kindern und Jugendlichen durch eine professionelle Online-Kinder- und Jugendbefragung und eine zielgruppengerechte Werbung für Aktionen & Maßnahmen der Offenen Jugendarbeit/Kommunalen Jugendarbeit. Zugleich soll konzeptionell weiter präzisiert werden, was in Rodgau unter „Kommunaler Jugendarbeit“ verstanden wird.


Stadtbücherei

Stand

Die Stadtbücherei Rodgau mit den beiden Zweigstellen Nieder-Roden und Jügesheim versteht sich als Bildungseinrichtung für alle Bürger. Sie bietet zahlreiche Angebote im Bereich der Sprachbildung, Leseförderung und bei der Vermittlung von Informationskompetenz für Zielgruppen entlang der gesamten Bildungsbiografie, von frühkindlicher Sprachförderung bis hin zur Beratung von Vorlesenden in der Altenpflege. Die Angebote richten sich dabei sowohl an die Primärzielgruppen wie auch an Multiplikatoren, z.B. Lehrer, Tagesmütter, Erzieher oder Eltern. Schon jetzt bestehen lebhafte Kooperationen mit verschiedenen Schulen. Hierzu hat der Bericht über die Arbeit der Stadtbücherei Rodgau, der im Mai 2015 vorgelegt wurde, bereits ausführlich informiert.

Herausforderungen

Die Stadtbücherei hat mehr Potenzial, Bildungsbiografien gut, konstruktiv und anregend zu begleiten, als bisher realisiert werden konnte. Zurzeit sind die beiden städtischen Büchereien lediglich an zwei bzw. drei Nachmittagen sowie jeweils an einem Vormittag in der Woche geöffnet. Auch verfügen die beiden Zweigstellen insgesamt lediglich über eine Vollzeitstelle mit bibliothekspädagogischem Fachwissen. So sind die beiden Bücherei-Zweigstellen nur unregelmäßig für die Bildungsakteure erreichbar.

Geplante Maßnahmen

Im Rahmen des Handlungsplans wird die Stadtbücherei immer mehr zu einem Zentrum für Sprachbildung und Leseförderung. Sie wird für Akteure entlang der Bildungsbiografie Weiterbildungsangebote bereithalten, weiterbilden und in ihrer Arbeit durch Angebote und die Bereitstellung von Fachinformationen unterstützen. Hierfür wird die Fachkompetenz der Büchereimitarbeiter weiter gestärkt. Die Öffnungszeiten der Bücherei sollen – wenn irgend möglich – erweitert werden, um sie als Bildungsort – und nicht nur als Buchausleihe – noch stärker als bisher nutzen zu können.  

Volkshochschule

Stand

Im Rahmen der Verwaltungsstrukturreform im Jahr 2011 wurde die Volkshochschule Rodgau organisatorisch vom Bereich „Kultur“ dem Bereich „Kommunales Bildungsmanagement“ zugeordnet, was zu einer Stärkung des bildungsorientierten Angebotssegments geführt hat.
Die VHS Rodgau hat  vom Frühjahr 2013 bis Frühjahr 2015 88 Kurse und Work-shops speziell für Schülerinnen und Schüler in den Feldern "Pädagogik und Lern-techniken", "Kommunikation", "Theater", "Musik", "Sprachen", "EDV-Grundlagen", "Tastschreiben" und "Mathematik" angeboten, darüber hinaus  Vorbereitungen auf die Oberstufe und auf die Abiturprüfung. Weiterhin wurde der Kurs "Fit für den Übertritt" für Grundschulkinder und ein Mathe-Vorbereitungskurs auf die Realschul-prüfung in den Osterferien angeboten.
VHS - Kurse sind vergleichsweise kostengünstige Angebote im Bildungsbereich. Für Schülerkurse wird eine Unterrichtseinheit (45 min.) mit 1,50 Euro berechnet.

Herausforderungen

Der Bekanntheitsgrad des Angebots der VHS Rodgau ist sicherlich noch ausbaufähig. Geprüft werden muss, wie durch eine dichtere und transparente Zusammenarbeit mit Schulen und mit der Offenen Kinder- und Jugendarbeit das Angebot der VHS enger mit dem „Ganztag“ verknüpft werden kann. Dies würde auch die niedrigschwellige Zugänglichkeit zu den VHS – Angeboten erhöhen. Bei allen Kursangeboten müssen allerdings Mindestteilnehmerzahlen erreicht werden, um sie durchführen zu können.

Geplante Maßnahmen

Die Zusammenarbeit mit den Schulen und Akteuren des „Ganztags“ wird verstärkt. Zielgruppenbefragungen sollen helfen, weitere Bedarfe zu identifizieren. Der Zugang zu den Informationen der VHS soll zeitgemäß und jugendgerecht wie z.B. über Facebook und über eine Homepage erfolgen.

Abschließender Hinweis

Der vorliegende Handlungsplan ist ein Baustein beim Ausbau und der Weiterentwicklung der lokalen Bildungslandschaft der Stadt Rodgau. Seitens der Stadt Rodgau ist das Kommunale Bildungsmanagement für die Koordinierung der Umsetzung des Handlungsplans federführend. Fortschritte wie bleibende Handlungserfordernisse werden durch einen Bildungsbericht transparent gemacht, der gegen Ende des vorgesehenen Umsetzungszeitraums vorliegen soll. Er wird auf einer Bildungskonferenz präsentiert und zur Diskussion gestellt, damit die Schwerpunkte der Rodgauer Bildungsstrategie über 2016 hinaus sichtbar werden können. Diese Vorgehensweise ist jedoch auch mit einem nicht unerheblichen Arbeitsaufwand für alle Beteiligten verbunden, für dessen Abarbeitung auch ein entsprechendes Potenzial zur Verfügung stehen muss.

Begründung:

Die Stadt Rodgau verfolgt seit der Gründung des Bildungsforums „Rodgau bildet Zukunft“ im Jahr 2007 kontinuierlich das Ziel, dass kein Kind und kein Jugendlicher auf seinem individuellen Bildungsweg zurück bleibt. Die dabei vorhandenen Ansätze sollen stetig verbessert werden. Im Rahmen dieser im Kreisgebiet Offenbach einmaligen kommunalen Bildungsstrategie wurden mit Hilfe von zahlreichen Expertinnen und Experten aus Schulen, Vereinen, Organisationen und der Verwaltung inzwischen drei Handlungspläne entwickelt, die sich auf eine breite gesellschaftliche Basis stützen können. Der dritte Handlungsplan für die Jahre 2015 bis 2016 wird nun mit dieser Beschlussvorlage vorgestellt.

Alle Handlungspläne basieren auf den in einem einjährigen Prozess entwickelten und abschließend im Jahr 2008 durch die Stadtverordnetenversammlung beschlossenen „Empfehlungen Rodgau bildet Zukunft“. Es folgten daraufhin zwei Handlungspläne, die aufeinander aufgebaut waren und deren Laufzeit bis Ende des Jahres 2013 ging. Beide Handlungspläne wurden mit hohen Zielerreichungsquoten sehr erfolgreich umgesetzt. Unter anderem wurden seit dem Beschluss des ersten Handlungsplans folgende Maßnahmen realisiert: Ausbau der Ganztagesplätze im „U3- und Ü3-Bereich“, Reform der VHS, Weiterentwicklung der Stadtbücherei, Errichtung von Bücherschränken, Etablierung der Bildungsmesse Rodgau, Ausbau der Grundschulbetreuungsplätze, Ausbau der Berufsorientierung, Förderung der Lese- und Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen und die Erstellung eines Bildungsberichtes im Jahr 2010. Im Jahr 2012 gab es in Rodgau eine Bildungskonferenz und die Weinheimer Initiative führte im Jahr 2014 ihr bundesweites Jahresforum im Kreis Offenbach und in Rodgau durch.
Der nun vorgelegte Handlungsplan für die Jahre 2015 und 2016 unterscheidet sich grundlegend von den bisherigen Handlungsplänen, da er sich auf eine Schwerpunktaufgabe in der Rodgauer Bildungslandschaft konzentriert. Die Sicherstellung von verlässlichen, attraktiven und bedarfsgerechten Tagesangeboten für Kinder und Jugendliche steht im Fokus dieses Plans.

Der Handlungsplan wurde mit wissenschaftlicher Begleitung der Weinheimer Initiative unter Mitwirkung von Herrn Dr. Wilfried Kruse und den Bildungsexperten des Forums „Rodgau bildet Zukunft“ sowie der Stadtverwaltung in drei Sitzungen und verschiedenen Interviews in der Zeit von Herbst 2014 bis Mai 2015 erarbeitet.