Arbeitsgemeinschaft Weinheimer Initiative

Die Arbeitsgemeinschaft Weinheimer Initiative ist ein Zusammenschluss von über 20 Städten und Landkreisen und zahlreichen weiteren Akteuren. Sie steht für Konzept und Praxis Kommunaler Koordinierung bei der Gestaltung der Übergänge Schule – Arbeitswelt „vor Ort“.  Die Arbeitsgemeinschaft sieht für sich zwei zentrale, miteinander eng verbundene Aufgaben: sich „anwaltschaftlich“ für die Anerkennung von Kommunaler Koordinierung und gute und förderliche Rahmenbedingungen einzusetzen, und die fortlaufende Verbesserung der lokalen Praxis zu unterstützen.

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„Corona, Krise, Klima…“: Gelingende Bildungsbiografien, verunsicherte Zukunft, solidarische Kommunen - Jahresforum am 3./4.12.2020 in Büsum als Hybridveranstaltung

Jahresforum in Büsum, 15.07.2020

„Corona, Krise, Klima…“:
Gelingende Bildungsbiografien, verunsicherte Zukunft, solidarische Kommunen 

 

Man wird davon ausgehen müssen, dass die Corona-Krise in verschiedener Hinsicht einen tiefen gesellschaftlichen Einschnitt markiert: sie erschüttert Zukunftsperspektiven. Dies gilt vermutlich insbesondere für die jungen Menschen, die sich am Ende ihrer Schulzeit, im Übergang zu Ausbildung und Studium oder in der frühen Phase ihrer Erwerbstätigkeit befinden1.  

 

Erfolgreiche Übergänge, insbesondere von der Schule in Ausbildung, und gelingende Bildungsbiografien insgesamt zu fördern und zu bahnen, verstehen wir als eine zentrale Aufgabe von Kommunaler Koordinierung und Lokaler Verantwortungsgemeinschaft. Dies steht 2020 in radikalerer Weise unter dem Vorbehalt verunsicherter Zukunft als vor Corona, vor allem auch deshalb, weil kritische Entwicklungen kumulieren: die bleibende Unsicherheit mit dem Virus, die erwartete Wirtschaftskrise, der sich beschleunigende Strukturwandel in der Berufswelt, von dem Digitalisierung nur eine Dimension ist, die Verschärfung sozialer Risikolagen und sozialer Ausgrenzungen und nicht zuletzt die Gefahr wachsenden Alltagsrassismus und völkisch-nationalistischen Denkens. 

 

Es ist also wichtig, danach zu fragen, was unter diesen Bedingungen unter „erfolgreichen Übergängen“ und „gelingenden Bildungsbiografien“ zu verstehen ist und welchen Beitrag kommunales Handeln, wenn wir Kommunen als vielfältig und solidarisch verstehen, hierzu leisten kann. Damit richtet sich der geschärfte Blick dann nicht nur, aber auch auf die Kommunale Koordinierung. 

 

An einer Reihe dieser Fragen wird bereits in der Arbeitsgemeinschaft gearbeitet: an den Folgen der Corona-Krise für die Ausbildung in unserer Videokonferenz-Serie und in gewisser Weise auch im Preview zur Aktualität der Herausforderungen am Übergang Schule-Arbeitswelt, an Digitalisierung in der entsprechenden Facharbeitsgruppe, an Aspekte von Ausgrenzung und Teilhabe in der Facharbeitsgruppe Migration. Das Thema „Klimakrise“ haben wir bislang nicht aufgerufen, obwohl es Basis einer veritablen politischen Jugendbewegung ist („Fridays for Future“). Der Standort Büsum für unser Jahresforum gibt es uns Gelegenheit, uns in einer fachlichen Exkursion damit stärker zu befassen (z.B. FTZ Forschungs- und Technologiezentrum Westküste, Multimar Wattforum, Nachhaltigkeitswanderungen…) 

 

Es bietet sich also an, diese verschiedenen Arbeitslinien im Jahresforum 2020 zusammenzuführen. Daraus ergäbe sich – in bewährter Aufteilung – folgender vorläufiger Ablaufplan:

 

Erster Tag 

 

Ankommen und Imbiss

 

Block 1: Begrüßung und Einführung

 

Block 2: Verunsicherte Zukunft?

  • Grundsatzbeitrag zu Corona als Einschnitt/ vor allem für die Zukunftsperspektive junger Menschen
  • Grundsatzbeitrag/ - beiträge zu: Herausforderungen für Bildung und Ausbildung

 

Musikalisches Intermezzo

 

Block 3: Facharbeitsgruppen zu:

 

  • Corona-Krise und Ausbildung (= Ergebnisse und Fortführung der Video-Konferenz-Reihe)
  • Wandel der Berufswelt und Digitalisierung (= FAG Digitalisierung)
  • Teilhabe versus Ausgrenzung und Rassismus (= FAG Migration)
  • Klimakrise: Bildung, Ausbildung

 

Kaffeepause

 

Block 4. 1: Der Kreis Dithmarschen stellt sich vor

 

Abendessen, Kultur

 

Zweiter Tag

 

Block 4.2: Klimaschutz, Nachhaltigkeit: eine kleine Exkursion

 

Willkommen und Musikalisches Intermezzo

 

Block 5: Verunsicherte Zukunft, gelingende Bildungsbiografien: Herausforderungen für die Kommune Koordinierung: drei parallele Foren nach „Kommunaltypen“

 

  • Großstädte
  • Mittelstädte (hier insbesondere auch mit Blick auf das „magische Dreieick“ Demokratie, Lebensqualität, Bildung)
  • Kreise (hier insbesondere auch mit Blick auf den Preview Junges Leben im Kreis)

 

Kaffeepause

Block 6: Vielfältige solidarische Kommunen: nur ein frommer Wunsch?

  • Impuls
  • Debatte

 

Block 7:  Resümee und Abschied

  • Kritischer Freund/kritische Freundin
  • Verabschiedung

Imbiss und Abreise

 

 

– 

Der österreichische Jugendkulturforscher Bernhard Heinzlmeier beschreibt dies so: Gibt es so etwas wie eine Corona-Zäsur? Heinzlmaier spricht von einem "Schock". Dieser stelle eine signifikante kollektive Generationserfahrung dar, die das Werte- und Normensystem der im Heute lebenden 16- bis 29-jährigen und deren ethisches und politisches Bewusstsein nachhaltig prägen werde. Wie man heute von der 1968er-Generation spricht, werde man später einmal von der Generation Sars-Covid-19 sprechen, nicht zuletzt deshalb, weil diese Generation die größte Wirtschaftskrise seit den 1930er-Jahren zu durchleben haben wird. Der unselige Cocktail der Jungen sei gemixt aus dem plötzlichen Verlust selbstverständlicher Bürgerrechte, Stichwort Verbot, einander zu treffen, Ausgangssperren, Isolation. Dazu komme durch Beschäftigungsverlust oder Kurzarbeit der Verlust der eben erst errungenen Unabhängigkeit von den Eltern. Plus die Angst vor Entwertung der Bildungsabschlüsse, Stichwort "Notabitur". Ausschluss vom Konsum und große Abstiegsängste nennt Heinzlmaier ebenfalls.“ (Der Standard 16.5.2020)